Raoul Kevenhörster
entwickelt abstrakte und multiperspektivische Kunst
zwischen Architektur, urbanem Raum, Wahrnehmung und Mehrfachbelichtung.
entwickelt abstrakte und multiperspektivische Kunst
zwischen Architektur, urbanem Raum, Wahrnehmung und Mehrfachbelichtung.
FotoFilm ETERNA
Artist statement, Juni 2026
Aktuell
IBA 2034
Text von Raoul Kevenhörster, 10.06.2026
Das Ökosystem der Gegensätze: Warum die Internationale Bauausstellung den Schulterschluss braucht.
Internationale Bauausstellungen – kurz IBA – sind weltweit renommierte Laboratorien für die Zukunft gestalteter Lebensräume. Sie sind kein reines Schaulaufen von Architektur, sondern ein konzentriertes, an gesellschaftlichen Werten gemessenes Innovationsprogramm, das über Jahre hinweg visionäre Ideen in reale Stadt- und Landschaftsprojekte übersetzt. Wenn nun für das Jahr 2034 – exakt fünfzig Jahre nach der West-Berliner Ausstellung von 1987 – die vierte IBA der Region im Gespräch ist, darf diese nicht mehr mit der Stadtgrenze Berlins gleichgesetzt werden. Eine zeitgemäße Bauausstellung entfaltet ihre volle Wirkung als integratives Regionalprojekt. Die überwundene physische Teilung des Landes in Ost und West eröffnet der Region heute die Chance, die IBA von Beginn an als untrennbare Einheit aus Berlin und Brandenburg zu definieren. Es geht um die Erschaffung eines gemeinsamen Ökosystems der Gegensätze: Die dichte, pulsierende Metropole und der weite, ressourcenstarke märkische Lebensraum sind im Jahr 2034 keine getrennten Welten mehr, sondern die zwei Herzkammern derselben Zukunftsregion.
Ein Blick auf die demografischen Realitäten zeigt, welche Dynamik diesen gemeinsamen Weg unumgänglich macht. Aktuell leben in der Bundeshauptstadt rund 3,91 Millionen Menschen, und der Trend zeigt steil nach oben. Bis zum IBA-Jahr 2034 prognostizieren die Statistiker – laut den aktuellen Bevölkerungsvorausberechnungen des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg – ein kontinuierliches Wachstum, das die Stadt geradewegs auf die historische Marke von rund 4 Millionen Einwohnern zusteuern lässt. Auf diesen enormen Zuwachs reagiert die Verwaltung bisher wie gewohnt mit dem Fokus auf den akuten innerstädtischen Wohnungsmangel, dem Schließen lokaler Baulücken oder dem Umbau alter Fabrikhöfe. Dabei lassen sich die drängendsten Fragen für diese zukünftige Vier-Millionen-Metropole längst nicht mehr allein auf Berliner Stadtgebiet lösen. Das Nachbarland Brandenburg bringt mit seinen aktuell rund 2,55 Millionen Einwohnern und einer prognostizierten, stabilen Zunahme von rund 0,4 % bis zum Jahr 2034 genau das ein, was für die Bewältigung dieser Zukunftskrisen fehlt: Raum, regenerative Ressourcen und radikale Transformationsflächen. Das märkische Wachstum konzentriert sich ohnehin fast ausschließlich auf das Berliner Umland, was den Druck zu einer gemeinsamen, von Anfang an partnerschaftlich verzahnten Regionalplanung spürbar verschärft.
Rückblickend betrachtet suchten die großen Bauausstellungen schon immer Antworten auf die Krisen ihrer Zeit. Die erste Werkausstellung von 1910 kämpfte gegen das Elend der Mietskasernen und legte den Grundstein für die regionale Verkehrsplanung. Die Interbau von 1957 zeigte den schnellen, modernen Wiederaufbau im Hansaviertel, und die IBA von 1987 entwickelte in Kreuzberg die behutsame Stadtsanierung mit ersten ökologischen Experimenten. Doch all diese Vorläufer stießen an politische und geografische Grenzen – da sich die Ausstellungen wegen der jahrzehntelangen Teilung der Region zwangsläufig auf rein innerstädtische Stadtquartiere beschränken mussten. Die geplante vierte IBA im Jahr 2034 bietet die historische Chance, diese Teilung endgültig zu überwinden und die gewachsene Einheit aus Berlin und Brandenburg wiederzubeleben, um die künstlichen Trennlinien zwischen Stadt und Umland planerisch aufzulösen. Sie ist die logische Fortsetzung: Sie hebt den Wachstumsdruck von 1910, den Wohnungsbedarf von 1957 und den Öko-Gedanken von 1987 auf eine völlig neue, gemeinsame Regionalebene. Internationale Bauausstellungen waren historisch gesehen meist Laboratorien der Dichte. Sie zeigten, wie moderne Städte wachsen, sich sanieren oder neu erfinden können. Doch die Krisen unserer Zeit – vom Klimawandel über die Ressourcenknappheit bis hin zu veränderten Lebensentwürfen durch die Digitalisierung – verlangen nach größeren Systemen. Wenn die Region eine neue IBA ins Leben ruft, steht sie vor den klassischen Problemen einer wachsenden Metropole: extreme Dichte, Flächenknappheit und der immense Druck auf die bestehende Infrastruktur. Das entscheidende Alleinstellungsmerkmal Brandenburgs in diesem Gefüge ist nicht, als bloße Erweiterungsfläche oder Schlafstadt für Berlin zu fungieren. Brandenburg ist das notwendige Gegenmodell und die perfekte Ergänzung zugleich.
Berlin ist eine Konsummetropole; sie verbraucht Energie, Nahrung und vor allem Baustoffe. Hier liegt Brandenburgs erste große Stärke. Das Land verfügt über die Flächen und die landwirtschaftliche Tradition für nachwachsende Rohstoffe. Eine gemeinsame IBA könnte das Reallabor für eine vertiefte und zeitgemäße Regionalökonomie beisteuern. Vom Holzbau aus märkischen Forsten über innovative Hanf- und Lehmbaustoffe, die direkt auf Brandenburger Äckern wachsen, bis hin zur seriellen Fertigung: Brandenburg kann zeigen, wie regionale Wertschöpfungsketten die Bauwende in der Metropole realisierbar machen. Gepaart mit Brandenburgs Vorreiterrolle bei den erneuerbaren Energien und der schmerzhaften, aber lehrreichen Erfahrung im Umgang mit Wasserknappheit entsteht hier eine Landschaft der Resilienz, von der Berlin direkt abhängig ist.
Während Berlin im dichten, sensiblen Bestand operieren muss, bietet Brandenburg Raum für Experimente in Dimensionen, die auf Berliner Stadtgebiet schlicht undenkbar wären. Das Land ist geprägt von gigantischen Konversionsflächen – von alten Militär- und Industriestandorten wie Wünsdorf oder Luckenwalde bis hin zur Lausitz. Der Strukturwandel im Braunkohlerevier macht die Lausitz zu einem der spannendsten europäischen Hotspots für Landschaftstransformation. Hier entstehen im Zuge der Post-Bergbau-Ära völlig neue Wasser- und Energielandschaften sowie dezentrale, autarke Quartiere. Eine IBA unter Brandenburger Beteiligung zeigt der Welt, wie aus den Wunden der fossilen Industrie die nachhaltigen Lebensräume von morgen entstehen.
Die Zukunft des Wohnens und Arbeitens entscheidet sich nicht mehr nur im Zentrum. Durch Digitalisierung und New Work verliert die physische Präsenzpflicht in der Innenstadt an Bedeutung. Brandenburgs Stärke ist kein zentralistischer Ballungsraum, sondern sein engmaschiges Netz aus historischen Stadtkernen, gut angebundenen Mittelstädten und lebendigen Dörfern. Die Renaissance der Mittelstädte – von Eberswalde über Brandenburg an der Havel bis Cottbus – entlastet die Metropole nachhaltig. Das märkische Alleinstellungsmerkmal ist die Verknüpfung von hoher Lebensqualität im Grünen mit einer intelligenten digitalen und physischen Infrastruktur. Auf dem Land wiederum bietet Brandenburg die dringend benötigten Experimentierräume für die Mobilitätswende. Als eines der ersten Länder weltweit hat Deutschland mit dem Gesetz zum autonomen Fahren auf Level 4, also der vollautomatisierten, autonomen Ebene ohne zwingenden Fahrer an Bord, den rechtlichen Weg geebnet, um führerlose Fahrzeuge in den Alltag zu holen. Eine gemeinsame IBA bietet die Möglichkeit, diese Technologie in Brandenburgs Weite zur Serienreife zu bringen – etwa durch fahrerlose Shuttles, die endlich die Dörfer flexibel an die Bahnhöfe anbinden.
Dass dieser regionale Ansatz der einzig zukunftsfähige Weg für moderne Metropolen ist, beweist ein Blick auf internationale Megacitys, die vor derselben planerischen Herausforderung stehen. Die engste funktale Parallele im deutschsprachigen Raum bildet das Duo Wien und Niederösterreich. Dort arbeiten Bund und Land im Stadt-Umland-Management eng zusammen, wobei das umschließende Niederösterreich gezielt als ökologischer Rohstofflieferant und forstwirtschaftlicher Partner für die Wiener Bauwende fungiert. Geht es wiederum um die strategische Verknüpfung dichter Urbanität und weiter Flächen, liefert das französische Jahrhundertprojekt Grand Paris den wegweisenden Begriff einer gelebten „Symbiose der Kontraste". Um den extrem dichten Pariser Kern zu entlasten, wird die gesamte umliegende Region Île-de-France radikal neu vernetzt, wobei in den ländlichen Zonen intensiv autonome On-Demand-Shuttles erprobt werden, um Dörfer flexibel an regionale Schnellbahnhöfe anzubinden. Wie man das unkontrollierte Wuchern einer Metropole verhindert und den ländlichen Raum schützt, zeigt schließlich die kanadische Großregion Toronto mit ihrem Greater Golden Horseshoe. Ein monumentaler, planerisch festgeschriebener Grüngürtel sorgt dort dafür, dass das Zersiedeln der Wiesen unterbunden wird und stattdessen die umliegenden historischen Mittelstädte als eigenständige, hochmoderne Technologie- und Kulturhubs gestärkt werden.
Berlin und Brandenburg in Union – Die Symbiose der Kontraste. Unter gemeinsamer Führung von Berlin und Brandenburg sollte die IBA 2034 ausgerichtet werden, um als gelebtes Ökosystem der Gegensätze zu fungieren. Berlin bringt die Dichte, den Investitionsmarkt und den Innovationsdruck ein. Brandenburg steuert die Weite, die Rohstoffe und die unerschrockene Erfahrung mit großflächigem Strukturwandel bei. Erst in dieser Symbiose wird aus einer Bauausstellung eine zukunftsweisende Regionalausstellung. Dabei gilt die Erkenntnis: „Stadt und Land sind keine Gegensätze, sondern zwei Pole einer unteilbaren Lebenswirklichkeit." Ganz im Sinne der Charta von Athen werden Wohnen, Arbeiten und Natur hier in ein einziges, großes regionales Gefüge überführt. Was Paris, Wien oder Toronto heute in Teilbereichen erproben, kann das märkisch-berlinerische Reallabor im Jahr 2034 zur weltweiten Referenz machen: eine funktionierende, krisenfeste Symbiose von dichter Metropole und resilientem Umland.
Artist Statement
Wege zur Erkenntnis zwischen Sternenstaub und Baugrube
„Die einzige Konstante im Leben ist die Veränderung", so lehrte Heraklit. Wir bewegen uns durch Landschaften, die weit mehr sind als nur physischer Raum; sie sind Resonanzräume unserer Existenz. Jeder Sinneseindruck, jedes Bild, das wir erfassen, ist ein Orientierungspunkt in einer Welt, die sich in jedem Moment neu zusammensetzt. Wir vermessen das Unfassbare, indem wir Struktur in die Energie bringen, die uns täglich umgibt – ein ständiges Suchen nach Halt in der Kinetik der Dauer.
Exemplarisch lässt sich dieses Spannungsfeld an zwei gegensätzlichen Polen verdeutlichen: Auf der einen Seite steht die Perspektive von Carl Sagan (1934–1996), der in seinem Werk „Cosmos" das Universum als eine Architektur aus einer immanenten, räumlich-physikalischen Ordnung begreift. Auf der anderen Seite fordert uns der russische Schriftsteller Andrei Platonow (1899–1951) heraus: In seinem Werk „Die Baugrube" (Kotlowan) ist es die existenziell aufgeladene Schwere der Materie, die die Welt befragt, während sein Roman „Die glückliche Moskwa" (Stschastliwaja Moskwa) den mühsamen Bau der U-Bahn als menschliche Qual sowie die schmerzhafte Verwurzelung im Untergrund thematisiert. Dazwischen entfaltet sich die Architektur als notwendiger Prozess: Sie ist das kontinuierliche Werden, das den Raum nicht nur formal erfasst, sondern als gebaute Manifestation fungiert – eine unmittelbare Ausformung unserer Existenz, in der sich Leben als dauerhafte Konstruktion begreift.
Hier findet die Begegnung zwischen der kosmischen Ordnung – als ein Zustand von steter Bedingtheit und fragiler Konstellation, in der sich Schwere als Schwebezustand maskiert – und der existenziellen Schwere der Welt Platonows statt. Letztere ist durchdrungen von Leid, flüchtiger Freude und der lähmenden Unabwendbarkeit, die als einzige Gewissheit verbleibt. Meine Arbeiten entstehen mittels bildhafter Schichtung multipler Zeitpunkte – oft in einer Dichte von Bildebenen im höheren zweistelligen Bereich – entsteht ein Gefüge, das den Raum als ein hochkomplexes, elastisches Ereignis neu definiert. Die Arbeit dokumentiert keine geläufige Sichtweise, sondern präsentiert einen prozesshaften, gestalterischen Akt der Verwandlung an einem Bildgebäude. Indem ich diese Verdichtung architektonisch konstruiere, öffne ich einen Resonanzraum, in dem Erkenntnis zur geteilten Erfahrung wirkt.
In der Schichtung dieser Fotowerke fungieren architektonische Fixpunkte, die den bildnerischen Erzählfluss stabilisieren und dem Blick einen Halt bieten. Genau hier klafft der unbenannte Zwischenraum – ein Element der Unbestimmtheit, das sich erst durch Wahrnehmung definiert. Es ist ein Schwellenraum, in dem die kosmische Perspektive, Statik von Konstruktion und die Dynamik des Stadtlebens aufeinandertreffen.
Dieser Raum fordert den Zugriff. Er ist nicht dazu da, bewohnt zu werden. Um ihn in seiner Tiefe zu begreifen, bedarf es einer Haltung, die über die bloße Analyse hinausgeht: eine Form der phänomenologischen Reduktion, ein Zustand der bewussten Offenheit, in dem alle begrifflichen Vorannahmen zurückgestellt werden. In dieser Wahrnehmungsweise vollzieht sich eine Loslösung des Ichs von der fixierten Identität, ähnlich dem, was Friedrich Schiller als Verschmelzung mit der Materie beschrieb.
Es ist kein blinder Affekt, sondern eine hochkonzentrierte Empfänglichkeit, die es erlaubt, das urbane Gefüge und den kosmischen Bezug als eine Einheit zu erfahren. Meine Aufnahmen entstehen unmittelbar vor Ort in einer bewussten Auseinandersetzung mit der Umgebung. Der einzelne Mensch geht hier als Träger jener flüchtigen Regung in das Bild ein, in der sich die Statik der Materie als lebendige Erfahrung offenbart.
Natürlich ist dieser Prozess der tiefen Wahrnehmung keine garantierte Erleuchtung. Meist geschieht er inmitten von vollkommen profanen Momenten: beim Warten an einer Ampel, deren Lichtphasen so unerbittlich sind wie die kosmische Ordnung selbst, oder im dichten Gedränge der U-Bahn, in der man plötzlich erkennt, dass das „multiple Koordinatensystem" der Welt eigentlich nur aus einer sehr großen Menge an Menschen besteht, die alle versuchen, ihre Tasche nicht zu vergessen. Hier, in der Absurdität des Alltags, schließt sich der Kreis – denn genau in diesem Moment des Schmunzelns wird die Erkenntnis zur menschlichsten aller Regungen.
Erkenntnis vollzieht sich hier nicht linear; sie ist ein chargierendes Wechselspiel, ein ständiges Schichten und Rückbesinnen, in dem das retardierende Moment – das Innehalten vor der endgültigen Bestimmung – als notwendiges Korrektiv dient. Erkenntnis wird so zur kumulativen Bewegung: eine Schichtung, in der jedes neue Verständnis auf dem vorangegangenen ruht und es zugleich in ein neues, elastisches Licht rückt. Erst in dieser Offenheit kann das multiple Koordinatensystem aus seiner theoretischen Konstruktion in eine lebendige Anschauung übergehen. In diesem höchst intensiven Bewusstseinszustand vollzieht sich schließlich die eigentliche Begegnung der Kräfte.
Wenn die systematische Auseinandersetzung mit der physikalischen Ordnung Sagans auf die existenzielle Reibung der Welt Platonows trifft – auf die anthropologische Erschütterung, die Sinneserfahrung und die flüchtigen Gemütsbewegungen –, entsteht jener Funke, in dem durch analytische Schärfe Erkenntnis aus verdichteter Wahrnehmung hervortreten kann. Diese Bewegung vollzieht sich in drei Modalitäten:
Diese Praxis transformiert das fotografische Bild in eine optische Installation. Während Künstler wie Tomás Saraceno oder Gordon Matta-Clark das Verhältnis von Mensch, Architektur und Kosmos durch raumgreifende Eingriffe thematisieren, vollziehe ich diesen Akt durch eine dynamische Architektur des Blicks. Meine Aufnahmen sind ein konstruktiver Prozess: Ich baue den Raum aus verschiedenen Zeitpunkten neu zusammen, um ihn als ein in Schichten gewachsenes, komplexes Gefüge neu zu kartieren.
Wir kartieren nicht das Ergebnis, wir vergegenwärtigen den Aufprall. In diesem nicht definierten Bereich, in diesem Schwellenraum der Aktion, setzt sich Erfahrung aus Sinnesbetrachtung, architektonischem Prozess, philosophischer Reflexion und dem weiten, unendlichen Blick auf den Kosmos zusammen. Warum aber vermessen wir den Raum? Das Vermessen ist weit mehr als eine analytische Handlung; es ist ein fundamentaler Akt des Entwickelns. In einer Tradition, die das Überleben durch das Festhalten, das Gedenken durch das Benennen und das Verstehen durch das Hinterfragen definiert, wird meine dynamische Kartographie zur existenziellen Lebensäußerung. Sie ist ein Akt des Zeugnisgebens in einer fragmentierten Welt – ein Versuch, die Brüche nicht zu kitten, sondern sich durch ein nachhaltiges, waches Engagement in ihnen zu verankern.
Meine Bildgestaltung wird zum Mittel der Konstitution der Wesenslandschaft: Sie ist kein äußeres Abbild mehr, sondern das Resultat jener Schichtung, in der Architektur, Zeit und menschlichen Erlebens zu einer Einheit verschmelzen. In diesem Moment, in dem die Kartographie an ihre Grenzen stößt, formt sich das Bild als konstruktiver Akt der Erkenntnis: Wahrheit tritt hier als kontingente Konstruktion hervor. Genau hier erweist sich das Wesen des Bildes als offener Resonanzraum für Existenz.
Raoul Kevenhörster | Berlin, 21. 06. 2026
„Kunst gibt nicht das Sichtbare wieder, sondern macht sichtbar." – Paul Klee
Die künstlerische Praxis bewegt sich an den Schnittstellen von Fotografie, Wahrnehmung und Bewegung. Meine abstrakte Fotografie in Berlin entsteht aus der unmittelbaren Auseinandersetzung mit Architektur, Licht, Tempo und urbanem Raum. In der Tradition von Lyonel Feininger (1871–1956, NY) verstehe ich Architektur nicht als statische Masse, sondern als ein pulsierendes Gefüge. Wo Feininger die Welt in kristalline, transparente Flächen zerlegte, nutze ich unmittelbar die Kamera, um urbane Strukturen neu zu ordnen. Das Unterwegssein ist dabei für die mehrfach belichteten Aufnahmen das Prinzip: Übergang statt Ankunft, statt lockeren Reihungen von Orientierungspunkten steht der Weg als Projekt der Verortung.
Der Kern meines Schaffens bildet die Schichtung. Durch die Technik der Mehrfachbelichtung entstehen Fotoarbeiten, die über das dokumentarische Abbild hinausgehen. So entwickelt sich eine abstrakte Architekturfotografie aus Berlin, in der Wahrnehmung, Bewegung und Verdichtung zu einer eigenständigen Bildsprache werden. Es ist eine „urbane Archäologie" des Augenblicks:
Wie bei einer geologischen Formation erzählt jede Aufnahme für sich von einer anderen Perspektive, einem anderen Lichteinfall, einer anderen Bewegung im Raum.
Meine Erfahrung im Schauspiel fließt als rhythmisches Element in die Fotografie ein. Ich lese Stadträume wie Partituren einer Rolle. Hier trifft das Werk auf die Musikalität eines jeden Bewegungsablaufs, einer jeglichen Gemütsbewegung, die auch Feiningers „Prismismus" eigen war.
Orte werden dabei zu Szenen mit eigener Spannung und innerer Dynamik. Diese visuelle Musikalität ermöglicht es, Situationen in Sekundenbruchteilen zu erkennen und wie eine Fuge zuzuspitzen. Das Ergebnis ist kein starrer Zustand, sondern ein fließender Wahrnehmungsprozess – ein Sehen, das dem Rhythmus des menschlichen Auges folgt, wenn es suchend über architektonische Kanten gleitet.
„Alles fließt, nichts bleibt." – Heraklit
evidare magazin
THE ESSENCE OF LUXURY LIFESTYLE
AZ/Architektur Zeitung
Architecture Journal
Armin Völckers
Maler und Filmemacher
Hans Koch
Geschäftsführer ndF Berlin, Produzent
Dr. Klaus Memmert
Atelier und Showroom Galerie Beyond Reality
Prof. Mathias Allary
Movie-College und Allary-Film, TV & Media in München
Fritz Göran Vöpel
Digitale architektonische Rekonstruktion
Stefan Beutner
Vorsitzender der Deutsch-Indischen Gesellschaft Berlin e.V.
Veröffentlichungen
Festival International du Film de Fribourg (FIFF)
Festivalbericht und Einordnung.
Zum Artikel22. Jüdisches Filmfestival Berlin & Brandenburg
Beitrag zum Festivalprogramm und den Schwerpunkten.
Zum ArtikelAccessible Filmmaking
Fachartikel zu inklusiven filmischen Arbeitsweisen.
Zum ArtikelNetzwerk
In Absprache Freunde und Bekannte: hier zu entdecken.
Alexander Wienand & Urs Johnen
Silent Jazz Bar
Aviv Koriat
Kuchenmanufaktur
Barbara Yelin
Comickünstlerin
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Fotokünstler
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Komponist
Göran Vöpel
Digitale architektonische Rekonstruktion
Hendrik Backerra
Consulting
Johannes Hitzblech
Schauspieler / Coach
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Galerist
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Michael Wesely
Fotograf
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“Die innere Positionierung bestimmt den physischen Ort des Menschen.”
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